„Revenge of the Savage Planet“ ist der Nachfolger des überraschend beliebten Sci-Fi-Abenteuers und setzt erneut auf eine gelungene Mischung aus Satire, Erkundung und schrägem Humor. Das Entwicklerteam von Raccoon Logic liefert ein knackiges Erlebnis, das in etwa zehn Stunden Spielzeit unterhält – und dabei bewusst auf kurzweilige Unterhaltung statt epischer Weiten setzt. Der Titel überzeugt vor allem durch seinen bissigen Kommentar zur Arbeitswelt und eine quietschbunte, aber feindselige Galaxie. Allerdings offenbaren sich im Laufe der Reise auch einige Schwächen, die das Gesamterlebnis trüben.
Ein Feuerwerk der Satire: Der Einstieg in die verrückte Galaxie
Noch bevor der Spieler den ersten Fuß auf den fremden Planeten setzt, wird klar, dass hier Slapstick und Kapitalismuskritik regieren. Das sogenannte „Onboarding“-Video des ehemaligen Arbeitgebers Alta InterGlobal erinnert an ein Unternehmensvideo aus den 1980er-Jahren – nur mit explodierenden Simulationskatzen und der frohen Kunde, dass man ein Jahrhundert im All geschwebt ist, um einen Planeten in einer anderen Galaxie zu kolonisieren. Dieser Ton zieht sich konsequent durch das gesamte Spiel. Nach einer eher unfreiwilligen Bruchlandung auf Stellaris Prime trifft man auf den fliegenden Computerbegleiter EKO, der nicht nur die Handlung vorantreibt, sondern mit sarkastisch-optimistischen Kommentaren jede Katastrophe in eine Produktivitätsmöglichkeit umdeutet. Die übertriebenen Bewegungsabläufe – man rennt wie eine Zeichentrickfigur, watet mit hohen Knien durch Wasser und rutscht auf Schleim – unterstreichen die spielerische Ästhetik. Allerdings nutzt sich dieser anfängliche Charme recht schnell ab. Besonders die Plattform-Passagen leiden unter einer unpräzisen Steuerung, etwa beim Enterhaken, die zu unnötig frustrierenden Momenten führt. Im späteren Spielverlauf entschärfen sich diese Probleme, da man genügend Fähigkeiten erhält, um das Klettern und Springen nahezu überflüssig zu machen.
Fünf Welten: Biotope, Sammelwahn und Fähigkeiten-Gating
Die fünf Planeten von „Revenge of the Savage Planet“ folgen den typischen Biome-Klischees von Abenteuerspielen: Wüste, Wald, Tundra, Ebene und – unvermeidlich – ein roboterhafter Spielplatz. Ehrlicherweise sind es nur vier echte Planeten plus ein fünfter, der als reine Bosskampf-Arena fungiert. Jede dieser Welten ist reich an Flora und Fauna, die es zu erkunden, zu scannen, zu erschießen und einzufangen gilt. Das sogenannte Fähigkeiten-Gating – also das Freischalten von Bereichen durch neue Skills – sorgt für echte Befriedigung, wenn man später zurückkehrt und alle versteckten Schätze einsammeln kann. Das Problem: Es gibt schlichtweg zu viele Sammelobjekte. Die Planeten sind so überladen mit Fundstücken, dass es schnell überwältigend wirkt. Manche sind clever versteckt, andere liegen einfach nur ein Stück abseits des Weges. Für den normalen Durchlauf reicht ein Bruchteil der Gegenstände völlig aus, aber Completionisten müssen nach dem Abspann noch viele Stunden investieren. Die anfangs noch spaßige Fortbewegung verliert jedoch mit der Zeit ihren Reiz, sodass die Motivation sinkt, über das Notwendige hinaus zu suchen.
Kampf: Mehr Schleim, mehr Kreativität, aber eine Waffe dominiert
Ein häufiger Kritikpunkt am Vorgänger „Journey to the Savage Planet“ war das eintönige Kampfsystem mit nur einer Waffe. Der Nachfolger erweitert das Arsenal deutlich um Verbrauchsmaterialien wie Feuerschüsse, Bomben, Schleimklumpen, Elektroschleim und einen Wasserschlauch. Diese Gegenstände lassen sich mit der Umgebung kombinieren, um Gegner auf kreative Weise auszuschalten. Viele Kampfherausforderungen, die neue Fähigkeiten freischalten, verlangen geradezu nach solchen unkonventionellen Taktiken – ein gelungenes Tutorial für die Kampfvielfalt. Dennoch bleibt die Primärwaffe eine einzelne Pistole. Da es sich nicht um einen reinen Shooter handelt, hilft die Zielhilfe enorm, um fliegende oder schnelle Gegner zu treffen. Andere Fähigkeiten wie der Bodenslam oder die Felspeitsche fühlen sich gut an, doch einige Neuerungen wirken wie Einfälle, die nach ihrer Einführung sofort wieder vergessen werden. Der Projektil-Konter kommt nur gegen einen Endgegner zum Einsatz und das Gleiten mit EKO dient kaum mehr als einer Abwechslung der Fortbewegung – zu spät im Spiel, um wirklich nützlich zu sein. Selbst die Basisgestaltung, eine hübsche Dreingabe, bleibt weitgehend überflüssig.
Das Ende der Reise: Verwirrende Missionsstruktur und zwei Abschlüsse
Besonders ungeschickt gelöst ist die Endsequenz. Das Spiel bietet mehrere Enden, die davon abhängen, welche Missionen man abschließt. Leider fühlen sich die wichtigsten Questen des Hauptendes völlig optional an. Im späten Spielverlauf ist kaum zu unterscheiden, welche der zahlreichen Aufgaben man wirklich erledigen muss. Wer alle abschließt, erhält das wahre Ende – aber das Spiel kann auch ohne durchgespielt werden. Das erste Ende, das der Tester erreichte, wirkte abrupt und unvollständig. Um zur echten Conclusio zu gelangen, musste er alle Planeten bereisen und weit mehr Ressourcen sammeln, als ihm lieb war. Das echte Ende selbst ist dann befriedigend – endlich kann man es der bösen Firma zeigen, die einen einfach im All schweben ließ. Aber der Weg dorthin fühlt sich zu umständlich an.
Fazit: Ein unterhaltsamer, aber unausgegorener Rachefeldzug
„Revenge of the Savage Planet“ verbindet schrille Bewegungsmechaniken mit einer komödiantischen Story. Die Welten sind wunderschön gestaltet und bieten viel zu entdecken. Die rund zehn Stunden für den Hauptdurchgang fühlen sich genau richtig an – mit einigen Nebenquests und Erkundung. Alles, was darüber hinausgeht, wird schnell repetitiv. Die Stärken liegen in den lebendigen Biotopen, dem satirischen Dialog und der Fülle an Rätseln. Die Schwächen sind die sich wiederholenden Aktionen, die überflüssigen Sammelgegenstände, die ungeschickte Physik und die unklare Missionsstruktur. Für Sci-Fi-Fans und Abenteurer ist das Spiel eine klare Empfehlung, sofern sie mit überdrehtem Humor und Fähigkeiten-basierter Erkundung etwas anfangen können. Wer ein hochglanzpoliertes, ernstes Abenteuer sucht, sollte lieber Abstand nehmen. Zusammengefasst: Ein kurzweiliger Spaß, der gerne noch mehr aus seinem Potenzial hätte machen können.