Dead Space 2 verkauft sich für 20 Euro mit defektem DRM

Von Tech Central - Redaktion für Technik & IT
Dead Space 2 verkauft sich für 20 Euro mit defektem DRM

Verbraucheranwalt Louis Rossman hat ein Paradebeispiel dafür geliefert, warum Piraterie seiner Meinung nach „vollkommen gerechtfertigt“ ist. Im Visier: Dead Space 2. Der Titel, der auf Steam regulär knapp 20 Euro kostet, ist mit einem veralteten Kopierschutz (DRM) ausgestattet, der Spieler dauerhaft vom eigenen, legal erworbenen Spiel ausschließen kann. Das Problem ist ein sogenanntes „Aktivierungslimit“, das auf maximal fünf verschiedene Rechner begrenzt ist. Zählt man einen sechsten hinzu, sperrt sich das Spiel. Der Haken an der Sache: Die Zählung läuft hoch, sobald man auch nur eine Hardware-Komponente austauscht oder das System aufgrund von TPM-Änderungen neu identifiziert wird. Und das Schlimmste: Electronic Arts (EA) hat im Dezember 2023 das letzte Werkzeug abgeschaltet, mit dem Nutzer ihre Aktivierungen selbst verwalten konnten.

Wie der Kopierschutz von Dead Space 2 funktioniert

Wer Dead Space 2 auf Steam kauft, muss das Spiel nach dem Start mit einem Produktschlüssel freischalten. Das Prozedere ist für viele ältere Spiele üblich, selbst wenn es sich – wie hier – um einen reinen Einzelspielertitel handelt. Bisher konnten Spieler über ein Webtool von EA ihre Aktivierungen zurücksetzen und so den Zähler entlasten. Genau diese Funktion wurde jedoch eingestellt. Kunden, die sich an den Support wandten, erhielten die Auskunft, dass das Deaktivierungs-Tool nicht mehr unterstützt wird. Die Konsequenz: Wer das Limit von fünf Geräten überschreitet, kann Dead Space 2 nur noch auf jenen Maschinen spielen, die bereits im Zähler erfasst sind. Eine Übertragung auf einen neuen PC ist ohne zusätzliche Kosten oder den Umweg über illegale Kopien nicht möglich.

Dead Space 2 verkauft sich für 20 Euro mit defektem DRM
Dead Space 2 verkauft sich für 20 Euro mit defektem DRM

Hardware-Upgrade als Falle

Besonders tückisch ist die Tatsache, dass der Kopierschutz nicht nur auf den Wechsel des gesamten Computers reagiert. Selbst ein simpler Austausch der Grafikkarte, ein neues Mainboard oder Änderungen an der TPM (Trusted Platform Module)-Konfiguration können den Aktivierungszähler erhöhen. Wer also im Laufe der Jahre seinen Rechner aufrüstet, der kann sich plötzlich – ohne eigenes Verschulden – ausgesperrt sehen. EA selbst gibt an, dass Dead Space 2 als Produkt nicht mehr aktiv unterstützt wird. Für Rossman ist das jedoch keine Entschuldigung. Er argumentiert, dass solche Fälle einer der Hauptgründe dafür seien, dass Piraterie wieder als moralisch und ethisch vertretbar angesehen werde, um Zugriff auf das zu bekommen, was man rechtmäßig erworben hat.

Die rechtliche Grauzone und die Verantwortung von EA

Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) für Dead Space 2 sind bis heute nicht aktualisiert worden. Sie verweisen immer noch auf das mittlerweile abgeschaltete Deaktivierungs-Tool. Rossman fordert, dass EA einen Patch bereitstellt, der den veralteten Kopierschutz vollständig entfernt. Er ist der Überzeugung, dass der aktuelle Zustand in dieser Form nicht legal sein dürfe. Für alle Besitzer des Spiels bleibt derweil nur eine Warnung: Wer Dead Space 2 auf seinem Rechner installiert hat, sollte sich bewusst sein, dass ein zukünftiges Hardware-Upgrade möglicherweise den Verlust der Spielbarkeit bedeuten kann. Die einzig legalen Alternativen wären der Kauf eines weiteren Keys – oder der Verzicht auf künftige Hardware-Wechsel. Das Szenario verdeutlicht ein grundsätzliches Problem der Spieleindustrie: DRM-Systeme, die nach Einstellung des Supports für ein Produkt zur Falle für den rechtmäßigen Käufer werden. Während andere Publisher, wie im Fall von Subnautica 2, eine gelassene Haltung gegenüber Raubkopien zeigen, liefert EA hier unfreiwillig ein Argument für die sogenannte „Abandonware“-Problematik – Spiele, die faktisch nicht mehr käuflich zu erwerben oder legal nutzbar sind, obwohl sie noch verkauft werden.

Dead Space 2 verkauft sich für 20 Euro mit defektem DRM
Dead Space 2 verkauft sich für 20 Euro mit defektem DRM

Diesen Artikel teilen
Redaktion für Technik & IT
Das Redaktionsteam von Tech Central widmet sich der technischen Berichterstattung über Hardware, Software und digitale Ökosysteme. Wir verfolgen die globale Technologielandschaft, um aktuelle Nachrichten, Analysen von Innovationen und praktische Systemlösungen zu liefern. Tech Central ist die technische Abteilung des Overcentral-Portals.