30 Prozent der HP-Kunden nutzen weiterhin Windows 10

Trotz Support-Ende von Windows 10: Rund 30 Prozent der HP-Kunden zögern den Umstieg hinaus – HP sieht darin einen Rückenwind für kommende Verkäufe.

HP meldet 30 Prozent Kundenbasis auf Windows 10 – das Unternehmen setzt auf verzögerte Migration und KI-PCs.
Highlights
  • Rund 30 Prozent der HP-Kunden nutzen weiterhin Windows 10, sieben Monate nach Support-Ende.
  • HP sieht den Migrationsrückstand als Rückenwind für künftige Verkäufe von neuen PCs.
  • Die EU-Intervention mit kostenlosen Sicherheitsupdates bis Oktober 2026 verzögert den Umstieg.

Sieben Monate nach dem Ende des Windows-10-Supports hält sich die Erneuerungswelle bei HP in Grenzen: Rund 30 Prozent der Kunden des PC-Herstellers setzen weiterhin auf das veraltete Betriebssystem. Was nach einer problematischen Stockung klingt, interpretiert der Konzern jedoch als Chance – und verweist auf gleich mehrere Trends, die den Markt in den kommenden Monaten beleben sollen.

HP sieht in der Windows-10-Basis einen „Rückenwind“ für künftige Verkäufe

Ketan Patel, Leiter der Personal-Systems-Sparte von HP, nutzte die Vorlage der Quartalszahlen für das zweite Geschäftsquartal 2026 (Februar bis April), um die Lage zu bewerten. Rund 30 Prozent der HP-Kunden, so Patel gegenüber Investoren, hätten den Umstieg auf Windows 11 noch nicht vollzogen. Microsoft hatte den regulären Support für Windows 10 am 14. Oktober 2025 eingestellt. Dass selbst im Kundenkreis eines der weltweit größten PC-Hersteller noch knapp ein Drittel auf der alten Plattform verharrt, verdeutlicht die Trägheit des Marktes.

Doch anstatt dies als Gegenwind zu werten, bezeichnete das Management den Zustand als „Rückenwind“. Patel argumentierte, dass der noch ausstehende Migrationsanteil von 30 Prozent ein kurzfristiger Treiber für das Geschäft sei. Finanzvorständin Karen Parkhill ergänzte, dass dieser Trend in den Regionen EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) sowie APJ (Asien-Pazifik und Japan) besonders stark ausgeprägt sei. Die Logik dahinter: Je länger Unternehmen und Privatnutzer die Anschaffung eines neuen Geräts hinauszögern, desto größer wird der aufgestaute Bedarf. Die Anleger goutierten diese Lesart – der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um neun Prozent auf rund 14,4 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn lag mit 450 Millionen USaa-Dollar über den Markterwartungen.

Warum die Migration ins Stocken geraten ist: Von Hardwarehürden bis zur EU-Intervention

Die Aussicht auf eine spätere Erholung ändert jedoch nichts an den Gründen für die aktuelle Zurückhaltung. Diese sind komplexer als eine bloße Weigerung der Nutzer, sich von gewohnten Arbeitsabläufen zu trennen.

Das größte Hindernis sind die strikten Hardwareanforderungen von Windows 11. Das Betriebssystem setzt zwingend einen TPM-2.0-Chip und einen relativ modernen Prozessor voraus. Schätzungen zufolge sind weltweit zwischen 200 und 400 Millionen PCs im Umlauf, die diese Bedingungen nicht erfüllen. Ein reines Software-Update ist also nicht möglich; es zwingt zur Neuanschaffung eines PCs. Dieser Investitionsstau ist gewaltig, aber er löst sich nur langsam auf.

Hinzu kommt eine Verschiebung der Prioritäten in den IT-Budgets. Während die Ausgaben für KI-Infrastruktur und Cloud-Dienste explodieren, bleibt das Geld für die Endgeräte-Flotte oft liegen. Eine Prognose von Gartner vom Februar 2026 untermauert diesen Trend: Die weltweiten Geräteausgaben sollen 2026 lediglich um 6,1 Prozent zulegen. Im selben Zeitraum werden die Ausgaben für Software mit 14,7 Prozent und die für Rechenzentren sogar mit 31,7 Prozent wachsen. Der PC hat im Wettbewerb um IT-Budgets schlicht das Nachsehen.

Ein unerwarteter Faktor, der die Verzögerung zusätzlich befördert hat, ist die Politik. Im September 2025 wies die europäische Verbraucherorganisation Euroconsumers darauf hin, dass die kostenpflichtigen erweiterten Sicherheitsupdates (ESU) von Microsoft gegen den EU Digital Markets Act verstoßen könnten. Microsoft lenkte daraufhin ein und kündigte an, Verbrauchern im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) die Sicherheitsupdates für Windows 10 bis Oktober 2026 kostenlos zur Verfügung zu stellen. Damit entfiel für viele europäische Kunden der dringlichste Grund, sofort auf Windows 11 umzusteigen.

AI PC als zweite Säule der Erneuerung: Was die Zahlen wirklich sagen

Parallel zur Windows-11-Migration setzt HP auf einen zweiten Trend: den Durchbruch des KI-gestützten PCs. Patel bezeichnete die Nachfrage nach KI-PCs als stabil, da Unternehmen zunehmend Workloads an den Rand des Netzwerks (Edge) verlagern. Der Anteil der KI-PCs am gesamten PC-Auslieferungsvolumen von HP stieg von 35 Prozent im Vorquartal auf nunmehr 44 Prozent. Das Management rechnet damit, dass dieser Anteil bis zum Geschäftsjahr 2027 auf 60 bis 70 Prozent und im Jahr 2028 auf über 70 Prozent klettern wird.

Dennoch bleibt die Frage, ob die KI-Funktionalität allein als Treiber für eine breite Erneuerungswelle ausreicht. Bisher fehlt es an einer überzeugenden „Killer-App“, die den höheren Preis der neuen Geräte auch für den durchschnittlichen Anwender rechtfertigt. Die zweite Hälfte des Geschäftsjahres 2026 (Mai bis Oktober) wird zeigen, ob die realen Anforderungen der Unternehmen an Edge-KI schneller wachsen als die Preissensibilität des Marktes oder ob erneut die Speicherpreise die Kaufentscheidung bremsen. HP hat den strategischen Rahmen für diese Entwicklung geliefert – jetzt muss sich zeigen, ob die Kunden bereit sind, ihn zu füllen.

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