ARC Raiders sammelte 30 Terabyte Daten pro Tag und verfolgte jede Bewegung

Astronomische Datenmengen in Echtzeit: Wie Embark Studios jeden Schuss in ARC Raiders verfolgte und warum der Erfolg nicht anhielt.

ARC Raiders sammelte täglich 30 Terabyte Daten, um Spielerbewegungen und Projektilbahnen live zu analysieren.
Highlights
  • Embark Studios zeichnete über 100 Milliarden Ereignisse pro Tag auf, um jede Kugel und Spielerbewegung zu verfolgen.
  • Die Daten wurden in Echtzeit per BigQuery ausgewertet, mit einer Verzögerung von weniger als zwei Sekunden pro Schuss.
  • Trotz des Datenrauschs verlor ARC Raiders ab 2026 massiv an Spielern, was die Grenzen von Live-Service-Titeln aufzeigt.

Während ARC Raiders derzeit mit rückläufigen Spielerzahlen und kritischen Stimmen in den sozialen Netzwerken kämpft, gewährt ein Blick in die jüngere Vergangenheit des Titels Einblicke in eine technische Dimension, die die Spieleentwicklung auf eine neue Stufe hebt. In der Spitzenzeit seiner Verbreitung sammelte das Entwicklerteam von Embark Studios schlichtweg astronomische Datenmengen – und zwar in Echtzeit. Die Rede ist von rund 30 Terabyte an Daten pro Tag, die das Verhalten von Millionen Spielern bis ins kleinste Detail abbildeten.

100 Milliarden Ereignisse pro Tag: Was Embark Studios wirklich aufgezeichnet hat

Die Datenerfassung moderner Multiplayer-Spiele ist längst kein Geheimnis mehr, doch selten legen Studios offen, in welchem Umfang sie tatsächlich operieren. Bei einer aktuellen Konferenz des Mutterkonzerns Nexon gab Mattias Andersson, Data Engineer bei Embark Studios, eine bemerkenswert detaillierte Einblicke in die Infrastruktur. „Wir verfolgen jede Kugel in diesen Spielen. Wir verfolgen, wo sich die Spieler befinden. Wir verfolgen, wann immer eine Kugel etwas trifft“, erklärte Andersson. „In ARC Raiders und auch in The Finals gibt es Waffen mit extrem hoher Feuerrate – das sind unzählige Projektile, die es nachzuverfolgen gilt.“

Die Zahlen, die er dabei nannte, sind beeindruckend: Mehr als 100 Milliarden Ereignisse pro Tag registrierte das System zu Spitzenzeiten. Das entspricht einem täglichen Datenvolumen von rund 30 Terabyte, das nahezu verzögerungsfrei in die Analyseplattform BigQuery von Google eingespeist wurde. „Innerhalb von weniger als zwei Sekunden, nachdem du einen Schuss abgefeuert hast, kann ich eine Abfrage in BigQuery starten und herausfinden, ob du getroffen hast oder nicht“, so Andersson weiter.

Diese technische Leistungsfähigkeit erlaubt es dem Studio, das Spielgeschehen nicht nur zu beobachten, sondern aktiv in die Balance und Weiterentwicklung einfließen zu lassen. Die Latenz von unter zwei Sekunden ist dabei der entscheidende Faktor – sie ermöglicht nahezu Live-Analysen, die weit über das übliche Maß hinausgehen.

Wie funktioniert die Datenverarbeitung in Echtzeit bei Embark Studios?

Die Architektur, die hinter dieser Datensammlung steckt, ist hochkomplex. Jede abgefeuerte Kugel, jede Bewegung eines Spielers, jede Interaktion mit der Spielwelt wird als einzelnes Ereignis erfasst. Diese hundert Milliarden Events pro Tag müssen nicht nur gespeichert, sondern auch strukturiert, indexiert und innerhalb von Sekundenbruchteilen abfragbar gemacht werden. BigQuery, ein serverloses Data-Warehouse, spielt dabei eine zentrale Rolle. Es erlaubt den Ingenieuren von Embark, riesige Datenmengen mit SQL-Abfragen in Echtzeit zu analysieren, ohne aufwändige Vorverarbeitung. Die Pipeline, die diese Datenströme bewältigt, ist ein Paradebeispiel für moderne Data Engineering im Gaming-Bereich.

Die Kehrseite des Erfolgs: Vom Datenrausch zur Spielerflaute

Die Datenexplosion fiel in die Zeit, als ARC Raiders die weltweiten Charts dominierte. Der Extraction-Shooter verkaufte sich millionenfach und galt als einer der meistgespielten Titel des Jahres 2025. Doch dieser Höhenflug hielt nicht an. Ab etwa März 2026 kippte die Stimmung. Die Spielerzahlen gingen spürbar zurück, und in den sozialen Medien mehrten sich kritische Stimmen, die vor allem das Fehlen von PvE-Inhalten und ein aus ihrer Sicht zu langsames Update-Tempo bemängelten.

Die enorme Datenmenge, die Embark Studios in der Hochphase sammelte, ist heute vor allem ein technisches Relikt jener Ära. Sie zeigt, wie granular moderne Spieleentwickler das Verhalten ihrer Nutzer nachvollziehen können – und wie schnell sich dieser Datenschatz wieder verringert, wenn die Spielerbasis schrumpft. Die Infrastruktur bleibt, die Nutzerzahlen tun es oft nicht.

Embark Studios steht damit exemplarisch für ein Phänomen der aktuellen Gaming-Industrie: Der technische Aufwand für Live-Service-Titel ist immens, und die Fähigkeit, jedes noch so kleine Detail zu messen, ist längst zum Standard geworden. Doch die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob man die Daten erheben kann, sondern ob man aus ihnen die richtigen Schlüsse zieht, um die Spieler langfristig zu binden.

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