FunPlus Phoenix (FPX) hat die sofortige Vertragsauflösung mit seinem Valorant-Spieler Blendi „kovaQ“ Kovaci bekannt gegeben. Grund sind rassistische Äußerungen während eines Spiels, die der Schweizer Albaner im privaten Chat an seine eigenen Teamkollegen gerichtet haben soll. Der Vorfall ereignete sich während eines Wettkampfs der VCT China und hat weitreichende Konsequenzen für die Karriere des Spielers.
Rassistischer Chat-Eklat: Kündigung ohne Vorwarnung
Die chinesische Organisation veröffentlichte die Entscheidung auf ihrem offiziellen Weibo-Account und betonte, dass man „alle partnerschaftlichen und vertraglichen Beziehungen mit dem Spieler kovaQ (Kovaci Blendi) mit sofortiger Wirkung“ beende. Dem Spieler wird vorgeworfen, eine rassistische Beleidigung gegenüber Asiaten im sogenannten „Whisper“-Chat eines VCT-Matches geäußert zu haben. Dieser Chat ist nur für die eigenen Teammitglieder sichtbar, was die Schwere des Verstoßes jedoch nicht mindert.
Bereits unmittelbar nach Bekanntwerden der Chat-Nachrichten hatte FPX den Spieler suspendiert, ihm das Training und die Spielteilnahme untersagt sowie sein Gehalt eingefroren. Die Liga leitete eine offizielle Untersuchung des Vorfalls ein. Noch vor deren Abschluss zog FPX nun die radikale Konsequenz und trennte sich endgültig von dem Spieler. Die Organisation erklärte, dass die „weiteren Turnieraufstellungen basierend auf dem endgültigen Urteil und den Regularien der Liga festgelegt werden“.
Karriereknick für Ex-Vitality-Profi
KovaQ, der sowohl die schweizerische als auch die albanische Staatsbürgerschaft besitzt, gab sein Debüt auf höchstem Niveau in Europa bei Team Vitality. Von Juni bis Oktober des Vorjahres spielte er als In-Game-Leader für die französische Organisation, bevor er nach der VCT EMEA Stage 2 auf die Bank gesetzt wurde. Seine Zeit bei Vitality war geprägt von durchwachsenen Ergebnissen, die den hohen Erwartungen an das Team nicht gerecht wurden.
Nach einem kurzen Zwischenstopp bei CGN Esports wechselte der Controller-Spezialist zu FunPlus Phoenix. Dort bestritt er die Stage 1 der Saison 2026. Der Wechsel nach China sollte seiner Karriere neuen Schwung verleihen, doch die Ergebnisse blieben erneut hinter den Erwartungen zurück: FPX belegte in beiden chinesischen VCT-Stages lediglich die Plätze 11 und 12. Die sportliche Talfahrt war jedoch nicht der Auslöser für die Trennung, sondern allein das Fehlverhalten des Spielers.
Die offizielle Stellungnahme von FPX
Die Organisation bezog in ihrer Stellungnahme klar Stellung und machte deutlich, dass sie keinerlei Toleranz für derartiges Verhalten zeigt. In der übersetzten Erklärung auf Weibo heißt es wörtlich:
„Kürzlich machte unser Spieler kovaQ während der spielinternen Kommunikation mit Teamkollegen unangemessene Bemerkungen. Der Club misst dieser Angelegenheit große Bedeutung bei, leitete sofort eine interne Untersuchung, ein Notfallmanagement und eine Überprüfungsmeldung ein, setzte sein Training, seine Spielteilnahme und sein Gehalt aus und kooperierte gleichzeitig mit der Untersuchung der Liga. Nach sorgfältiger Abwägung hat der Club beschlossen, alle partnerschaftlichen und vertraglichen Beziehungen mit dem Spieler kovaQ (Kovaci Blendi) mit sofortiger Wirkung zu beenden. Professionelle Spieler müssen nicht nur auf dem Spielfeld die Wettkampfregeln einhalten, sondern auch stets Berufsethik wahren, ihre Worte und Taten strikt einschränken und die volle Verantwortung für ihr Verhalten und dessen Konsequenzen übernehmen. Der FPX Esports Club hat stets eine klare und feste Haltung vertreten, die jegliche unangemessenen Bemerkungen oder unangemessenen Äußerungen ablehnt. Wir entschuldigen uns aufrichtig für die negativen Auswirkungen, die dieser Vorfall verursacht hat. Der Club wird dies als Lehre nehmen, die tägliche Erziehung und das Management in Bezug auf Professionalität, Verhaltensstandards und Disziplin der Spieler kontinuierlich verstärken, um ähnliche Situationen in Zukunft zu verhindern.“
Warum die Reaktion von FPX so hart ausfällt
Der chinesische E-Sport-Markt reagiert auf rassistische Äußerungen, insbesondere gegen Asiaten, mit maximaler Härte. FunPlus Phoenix, eine Organisation mit Hauptsitz in China und einem riesigen Fanbase in der Region, hat wirtschaftlich und reputativ keinerlei Spielraum für derartige Vorfälle. Die sofortige Vertragsauflösung noch vor Abschluss der Liga-Untersuchung sendet ein klares Signal an alle Spieler im Kader, aber auch an die gesamte Szene. Für westliche Spieler, die in asiatischen Ligen unter Vertrag stehen, ist dieser Fall eine deutliche Warnung: Kulturelle Sensibilität ist keine Option, sondern Grundvoraussetzung für eine Anstellung. Die Konsequenzen für kovaQ sind existentiell – mit diesem Vermächtnis wird es für ihn extrem schwierig, in einer anderen Top-Organisation unterzukommen.
Die Frage, die sich nun stellt, ist, wie die VCT China League in ihrem finalen Urteil entscheiden wird. Ein mehrjähriges Verbot oder eine hohe Geldstrafe sind nicht ausgeschlossen. Für FPX beginnt unterdessen die hektische Suche nach einem neuen In-Game-Leader, um die Saison nicht komplett abschenken zu müssen. Der Vorfall zeigt einmal mehr, dass im modernen E-Sport ein einziger Chat-Eintrag eine gesamte Karriere beenden kann. Es bleibt abzuwarten, ob kovaQ sich öffentlich zu den Vorwürfen äußern wird und ob eine Entschuldigung angesichts der Brisanz der Aussagen überhaupt noch etwas bewirken könnte.