Ein anhaltendes und tiefgreifendes Problem bei der Auszahlung von Gehältern erschüttert derzeit die Gunzilla Games GmbH, das Entwicklungsstudio hinter dem Blockchain-basierten Battle-Royale-Titel Off The Grid und Eigentümer der renommierten US-Publikation Game Informer. Wie zahlreiche aktuelle und ehemalige Mitarbeiter gegenüber GamesIndustry.biz und öffentlich auf Plattformen wie LinkedIn berichten, bleibt ein erheblicher Teil der Belegschaft seit Monaten ohne vereinbartes Gehalt. Die Zustände reichen von verzögerten Auszahlungen im Vereinigten Königreich bis hin zu völlig ausbleibenden Lohnzahlungen für ukrainische Mitarbeiter und internationale Auftragnehmer, was Zweifel an der finanziellen Stabilität des mit 25 Millionen US-Dollar Venture Capital gestarteten Unternehmens aufkommen lässt.
Öffentliche Beschwerden und interne Eskalation
Den Stein ins Rollen brachten öffentliche Posts von Beschäftigten. Die ehemalige Talent Acquisition Lead, Anna Savina, berichtete auf LinkedIn von „erheblichen Gehaltsverzögerungen“ ohne Erklärung, aktualisierte ihren Post später jedoch mit dem Hinweis, ihre persönliche Situation sei geklärt. In den Kommentaren meldeten sich weitere Betroffene zu Wort. So schrieb der ehemalige Principal Hard Surface Artist, Oleksandr Linovichenko, der das Unternehmen im Oktober verließ, er habe seine Gehälter für August und September nie erhalten. Eine identische Schilderung lieferte der ehemalige Principal Weapon and Hard Surface Artist, Anton Kharyn.
Intern hat sich aus der Frustration über die ausbleibenden Zahlungen inzwischen eine makabre Form des Protests entwickelt. In den firmeninternen Slack-Kanälen nutzen unbezahlte Mitarbeiter ein speziell erstelltes Emoticon, das einen Bettler darstellt, der nach Kleingeld fragt. Dieses Emoji wird in der Kommunikation mit der Geschäftsführung mittlerweile häufiger verwendet als tatsächliche Textantworten, was die angespannte Atmosphäre verdeutlicht.
Internationales Muster: Wer ist betroffen?
Den Recherchen von GamesIndustry.biz zufolge folgen die Zahlungsprobleme einem klaren, geografisch gestaffelten Muster. Am schwerwiegendsten betroffen sind demnach die Mitarbeiter in der ukrainischen Niederlassung in Kiew, von denen einige seit bis zu sechs Monaten kein Gehalt mehr gesehen haben sollen. Ihnen folgen internationale Auftragnehmer, die seit Oktober 2025 auf ausstehende Zahlungen warten.
Der kanadische Auftragnehmer Paul Creamer berichtet, trotz ausbleibender Zahlungen seit Oktober 2025 bis Dezember weitergearbeitet zu haben, nachdem das obere Management die Verzögerungen als „vorübergehende Wachstumsschmerzen“ eines neuen Unternehmens mit einem neuen Spiel bezeichnet habe. Creamers und Savinas LinkedIn-Posts wurden später von der Plattform mit dem Hinweis entfernt, sie verstießen gegen die „Professional Community Policies“.
Deutschland und UK: Verzögerungen und Pensionsprobleme
Während die Festangestellten in Deutschland und dem Vereinigten Königreich bislang weiter Gehalt erhalten, kommt es auch hier zu regelmäßigen Verspätungen. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung hatten einige Mitarbeiter in beiden Ländern ihr März-Gehalt noch nicht erhalten. Darüber hinaus berichten britische Beschäftigte von gravierenden Problemen mit den betrieblichen Altersvorsorgebeiträgen (Pension).
Laut ihren Angaben wurden zwischen Mai und September 2025 zwar Beiträge von den Gehaltsabrechnungen einbehalten, aber nicht an den Pensionsfonds weitergeleitet. Das Unternehmen habe dies einem Fehler des Gehaltsabrechnungsdienstleisters zugeschrieben und eine zügige Lösung zugesagt. Zwar seien die ausstehenden Beiträge für den genannten Zeitraum im Oktober nachgezahlt worden, seit November 2025 seien jedoch erneut keine Zahlungen mehr an die Pensionsfonds geflossen. Dies stellt einen potenziellen schwerwiegenden Verstoß gegen arbeitsrechtliche Verpflichtungen dar.
Firmenumbenennung und drohende Rechtsstreite
Vor dem Hintergrund dieser anhaltenden Schwierigkeiten fällt eine formale Änderung im britischen Firmenregister auf. Am 6. April änderte Gunzilla UK offiziell seinen Namen in Geofvision, wie aus Dokumenten des Companies House hervorgeht. Die Gründe für diese Umbenennung sind nicht öffentlich bekannt gegeben worden.
Für ehemalige Mitarbeiter, deren Verträge endeten, gestaltet sich die Auszahlung des letzten Gehalts ebenfalls äußerst schwierig. Mehrere Quellen berichten, dass ausstehende Zahlungen oft nur unter Androhung rechtlicher Schritte erfolgten. Auf ukrainischen Spieleentwickler-Foren wie DOU.ua haben sich inzwischen eigene Threads mit zahlreichen Beschwerden und Anschuldigungen gegen Gunzilla Games angesammelt, die ein düsteres Bild der internen Lage zeichnen.
Der Kontext: Gunzillas ambitioniertes Projekt
Das 2020 gegründete Studio startete mit einem ambitionierten Vorhaben. Unter der strategischen Führung von Alexander Zoll, ehemaliger CEO von Crytek Kiew, und mit prominenten Partnern wie Neill Blomkamp, Regisseur von „District 9“, entwickelte Gunzilla einen Third-Person-Battle-Royale-Titel namens Off The Grid. Das Spiel setzt stark auf Web3-Integration und ermöglicht optionalen NFT-basierten Item-Handel. Nachdem der ursprünglich für 2023 geplante Release verschoben wurde, startete das Spiel im Oktober 2024 in den Early Access.
Ein weiterer großer Coup war 2025 der Kauf der traditionsreichen Spielezeitschrift Game Informer, nachdem diese vom vorherigen Eigentümer GameStop geschlossen worden war. Gunzilla stellte das ursprüngliche Redaktionsteam wieder ein und positionierte sich damit auch als Medienunternehmen. Die aktuellen finanziellen Schwierigkeiten werfen nun Fragen auf, wie diese ambitionierten Projekte und Verpflichtungen langfristig finanziert werden sollen, wenn schon die grundlegendste Verpflichtung gegenüber den eigenen Mitarbeitern nicht mehr zuverlässig erfüllt werden kann.
Die andauernde Lohnkrise bei Gunzilla Games offenbart einen fundamentalen Widerspruch zwischen der äußeren Darstellung eines aufstrebenden, technologisch innovativen Studios und der inneren Realität einer Belegschaft, die um ihr verdientes Einkommen kämpfen muss. Während das Management nach Aussagen von Mitarbeitern intern „Business as usual“ signalisiert, untergräbt die systematische Nichtzahlung von Gehältern und Pensionsbeiträgen nicht nur das Vertrauen, sondern könnte auch rechtliche und finanzielle Existenzfragen für das Unternehmen aufwerfen, dessen Reputation in der Branche zunehmend Schaden nimmt.