Samsung Foundry: 81,5 Prozent der Mitarbeiter mit Kündigungsabsicht

Eine Gewerkschaftsumfrage zeigt alarmierende Kündigungsabsichten bei Samsung Foundry, ausgelöst durch ein ungleiches Bonus-System.

81,5 Prozent der Samsung Foundry-Belegschaft wollen das Unternehmen wegen unfairer Boni verlassen.
Highlights
  • 81,5 Prozent der Samsung Foundry-Mitarbeiter geben an, innerhalb von zwei Jahren kündigen zu wollen.
  • Das neue Bonus-System bevorzugt die Memory-Sparte, sodass Foundry-Mitarbeiter nur ein Drittel der Prämie erhalten.
  • Trotz positiver Geschäftsentwicklung und neuen Kunden wie Anthropic und Tesla droht eine Abwanderungswelle.

Eine Umfrage der größten Gewerkschaft von Samsung Electronics unter den Mitarbeitern des Halbleitergeschäfts fördert ein alarmierendes Bild zutage: Im Foundry-Bereich, dem Auftragsfertiger für Chipdesigns, geben 81,5 Prozent der Beschäftigten an, innerhalb von zwei Jahren kündigen zu wollen. Die Zahl liegt dramatisch über dem Durchschnitt der gesamten Device Solutions (DS)-Sparte von 49,5 Prozent. Zum Vergleich: In der hochprofitablen Memory-Sparte liegt die Wechselabsicht bei lediglich 32,7 Prozent – weniger als die Hälfte des Foundry-Werts.

Was steckt hinter der massiven Unzufriedenheit?

Die Umfrage der Gewerkschaft Samsung Electronics (Superunternehmensgewerkschaft) wurde vom 17. bis 30. Juni durchgeführt. Von den 8.297 befragten Mitarbeitern der DS-Sparte, zu der Speicherchips, System LSI, das Research & Development Center und eben die Foundry gehören, zeigten insgesamt 49,5 Prozent eine Wechselabsicht. Als „sehr hoch“ gilt in der Arbeitspsychologie ein Wert ab 62 Prozent. Die Foundry übertrifft diesen Schwellenwert um fast 20 Prozentpunkte. Auch die System-LSI-Sparte (75,4 Prozent) und das Halbleiter-F&E-Zentrum (60,6 Prozent) liegen weit über dem Durchschnitt. Die Memory-Sparte bildet mit 32,7 Prozent das Schlusslicht. Die Diskrepanz innerhalb derselben DS-Division ist enorm und auf ein strukturelles Problem zurückzuführen: die ungleiche Verteilung von Bonuszahlungen.

Bonus-System schafft ungleiche Verhältnisse

Im Mai einigten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf ein neues System für eine „besondere leistungsabhängige Vergütung“. Die Prämie speist sich aus 10,5 Prozent des operativen Gewinns der gesamten DS-Sparte. Da die Auszahlung aber zu 60 Prozent an den Erfolg des jeweiligen Geschäftsbereichs gekoppelt ist, entstehen extreme Unterschiede. Die Memory-Sparte, die den Großteil der Gewinne erwirtschaftet, kann ihren Mitarbeitern weit höhere Beträge zahlen als die verlustanfällige Foundry oder System LSI.

Auf Basis eines prognostizierten operativen Gewinns von rund 300 Billionen Won (etwa 33 Billionen Yen) ergeben sich folgende Größenordnungen: Ein Mitarbeiter der Memory-Sparte erhält demnach eine Sonderzahlung von rund 600 Millionen Won (etwa 65 Millionen Yen oder knapp 450.000 Euro). Ein Kollege in der Foundry oder bei System LSI muss sich mit knapp 210 Millionen Won (etwa 23 Millionen Yen) begnügen – also nur etwa einem Drittel. Noch krasser ist der Unterschied zur DX-Sparte (Consumer Electronics, Smartphones): Dort liegen die Boni bei etwa 6 Millionen Won (etwa 65.000 Euro) – der Unterschied zur Memory-Sparte beträgt das 100-Fache.

Die Logik des Systems ist brutal: Die Foundry schrieb lange Zeit rote Zahlen, während die Memory-Sparte hohe Gewinne einfuhr. Obwohl sich die Foundry nun bessert, profitiert sie finanziell kaum von ihrem eigenen Aufschwung, da die Top-Down-Verteilung der Mittel die Memory-Sparte begünstigt.

Paradox in der Foundry: Aufschwung trotz Personalnot

Die Situation ist besonders pikant, weil die Auftragsfertigung von Samsung zuletzt positive Signale sendete. Im Juni verzeichnete die Foundry den ersten Monatsgewinn seit drei Jahren. Für das dritte Quartal wird eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen auf Quartalsbasis erwartet. Die Ausbeute beim 2-nm-Prozess lag im März bei 60 Prozent. Kunden wie Anthropic und Tesla konnten gewonnen werden. Der operative Gewinn der DS-Sparte soll 2026 laut DS-Chef Kim Yong-kwan die kumulierten Gewinne der letzten 40 Jahre übertreffen. Ausgerechnet in diesem Moment der Besserung will mehr als jeder zweite Foundry-Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Das zeigt: Finanzieller Erfolg allein bindet keine Talente, wenn die Vergütung als ungerecht empfunden wird.

Externe Abwerbung und strukturelle Risiken

Die Unzufriedenheit fällt in eine Zeit massiver Abwerbungsversuche. TSMC, Intel und der chinesische Speicherhersteller CXMT locken koreanische Ingenieure mit Gehältern, die bis zum Dreifachen des Samsung-Niveaus liegen. Hinzu kommt ein politischer Großplan: Die südkoreanische Regierung kündigte Ende Juni ein Megaprojekt in Gwangju an, das rund 800 Billionen Won umfassen soll. Samsung und SK Hynix planen dort vier neue Fabriken. Viele Mitarbeiter aus dem Großraum Seoul müssten umziehen – ein zusätzlicher Unzufriedenheitsfaktor, der die Abwanderung weiter beschleunigen dürfte.

Die Gewerkschaft hat die Dringlichkeit erkannt. Am 16. Juli trat erstmals die neu gebildete Politik-Kommission der DS-Sparte zusammen. Auf der Agenda: die Auswirkungen des Gwangju-Projekts auf die Belegschaft, die Vorbereitung von Verhandlungen über den Tarifvertrag 2027 sowie die Frage, wie die Abwanderung gestoppt werden kann. Der Gewerkschaftsvorsitzende Choi Seung-ho erklärte öffentlich, die Umfrage spiegele die Krisenstimmung vor Ort wider. Das Unternehmen müsse dies ernst nehmen und wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen.

Die Herausforderung für Samsung ist enorm: Der Konzern muss ein Vergütungssystem reformieren, das strukturell die profitabelsten Bereiche bevorzugt und die Verlustbringer bestraft. Andernfalls droht eine Abwanderungswelle, die den Aufschwung der Foundry gefährdet, noch bevor er richtig begonnen hat. Der Fall zeigt exemplarisch, wie interne Verteilungsmechanismen selbst eine erfolgreiche Transformation untergraben können – und dass monetäre Anreize in einem Unternehmen nur dann bindend wirken, wenn sie als fair wahrgenommen werden.

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