Samsung erweitert sein Galaxy-KI-Portfolio um eine Funktion, die die Nachbearbeitung von Videos grundlegend verändert. Mit My FanCam lassen sich Aufnahmen, die mehrere Personen zeigen, nachträglich auf eine einzelne Person zuschneiden – der Algorithmus folgt der ausgewählten Person durch das gesamte Video und erzeugt so einen dynamischen, verfolgenden Ausschnitt, ohne dass während der Aufnahme eingegriffen werden muss. Das Feature ist ein Paradebeispiel dafür, wie generative KI die Postproduktion demokratisiert und aus einer statischen Gruppenaufnahme ein persönliches Highlight-Reel macht.
Was ist My FanCam und wie funktioniert es?
My FanCam ist eine Funktion der Galaxy-KI, die in der Samsung Gallerya-App integriert ist. Sie analysiert ein bereits aufgenommenes Video, erkennt darin Gesichter und Bewegungsabläufe und bietet dem Nutzer an, einen bestimmten Akteur auszuwählen. Anschließend wird das Originalvideo so neu gerahmt, dass die gewählte Person stets im Mittelpunkt steht – unabhängig davon, wie sie sich durch das Bild bewegt. Der Clou: Man kann zwischen verschiedenen Seitenverhältnissen wählen, etwa einem vertikalen Format für Plattformen wie TikTok oder Instagram Reels und einem breiteren Zuschnitt, der mehr vom ursprünglichen Bildkontext erhält. Samsung hat die Funktion mit dem Galaxy Z Fold8 und dem Galaxy Z Fold8 Ultra eingeführt, die mit One UI 9 ausgeliefert werden.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So nutzen Sie My FanCam
Die Bedienung ist denkbar einfach und erfordert keine Vorkenntnisse in Videobearbeitung. Sie öffnen die Gallery-App auf Ihrem unterstützten Samsung-Gerät und wählen das Video aus, das Sie bearbeiten möchten. Tippen Sie dann auf das Galaxy-KI-Symbol und wählen Sie im Menü den Punkt My FanCam. Das System scannt nun das Video und identifiziert alle darin vorkommenden Personen. Sie wählen die gewünschte Person aus, die im Mittelpunkt stehen soll, und legen das Seitenverhältnis für den neuen Clip fest. Ein Tipp auf „Folgen“ startet den KI-gestützten Bearbeitungsprozess, der das Video innerhalb von Sekunden neu berechnet.
Die Wahl des Seitenverhältnisses ist strategisch wichtig. Ein vertikaler Zuschnitt ist ideal für Social-Media-Plattformen, die auf Hochformat setzen. Ein breiterer Frame eignet sich besser, wenn Sie die Atmosphäre der Originalszene erhalten und gleichzeitig eine Person fokussieren wollen. Der entscheidende Vorteil: Diese Entscheidung muss nicht vor der Aufnahme fallen, sondern kann in aller Ruhe nachträglich getroffen werden.
Die goldene Regel für optimale Ergebnisse: Weitwinkel aufnehmen
Der wesentliche Unterschied zu Samsungs „Auto Framing“-Funktion liegt im Zeitpunkt der Bildkomposition. Während Auto Framing die Kamera während der Aufnahme steuert und Personen aktiv im Bild hält, arbeitet My FanCam retrospektiv. Das gibt Ihnen die Freiheit, die gesamte Szene einzufangen, ohne sich auf eine einzelne Person fixieren zu müssen. Stellen Sie sich vor, Sie filmen eine Schulaufführung, ein Fußballspiel oder eine Tanzeinlage. Anstatt das Smartphone ständig nachzuführen, halten Sie die Kamera ruhig und erfassen das Geschehen in seiner Gesamtheit. Die Entscheidung, wer später der Star des Clips wird, treffen Sie am Schneidetisch.
Es ist hilfreich, sich My FanCam als eine Art Lupe vorzustellen, die innerhalb des aufgenommenen Bildrahmens umherwandert. Je weiter Ihre ursprüngliche Aufnahme gefasst ist, desto mehr Bewegungsspielraum hat die KI, um die gewählte Person zu verfolgen. Ein enger, überfüllter Bildausschnitt liefert dem Algorithmus schlichtweg zu wenig Umgebungsinformationen, um eine saubere Verfolgung zu gewährleisten. Das System stößt auch dann an seine Grenzen, wenn die Zielperson den ursprünglich aufgenommenen Bildbereich verlässt. Die KI kann nur das neu rahmen, was auch tatsächlich auf dem Sensor war. Samsung selbst weist darauf hin, dass My FanCam die Tracking-Genauigkeit nicht garantieren kann und in Situationen, in denen keine Person identifiziert wird, schlichtweg nicht funktioniert. Für unberechenbare Szenen wie Sport oder chaotische Gruppenauftritte gilt daher: Halten Sie die Person, die Sie später fokussieren wollen, komfortabel im mittleren bis weiten Bildbereich – das gibt der KI die beste Ausgangsbasis.
Kompatibilität: Welche Samsung-Geräte unterstützen My FanCam?
Aktuell präsentiert Samsung My FanCam als exklusives Feature der neuen Faltgeräte-Generation, dem Galaxy Z Fold8 und Galaxy Z Fold8 Ultra. Beide Modelle starten mit One UI 9, das die Funktion im Werkzeugkasten der Galaxy-KI führt. Wichtig zu verstehen: One UI 9 wird nicht auf diesen beiden Geräten beschränkt bleiben. Samsung hat die Verteilung des Updates eingeleitet, beginnend mit dem Galaxy Z Fold8 Ultra, dem Galaxy Z Fold8 und dem Galaxy Z Flip8. Weitere Galaxy-Smartphones und -Tablets sollen im Laufe der Zeit folgen.
Allerdings sollten Nutzer nicht automatisch davon ausgehen, dass My FanCam mit jedem One-UI-9-Update auf ihr Gerät kommt. Samsung betont, dass die Verfügbarkeit einzelner KI-Funktionen variieren kann – abhängig von Gerätemodell, Sprache der Benutzeroberfläche und Region. Die Funktion könnte in Deutschland und Österreich beispielsweise zeitverzögert oder in einer angepassten Version erscheinen. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, sollte die Versionshinweise zu One UI 9 für sein spezifisches Gerätemodell prüfen, sobald das Update ausgerollt wird.
Die technische Entwicklung zeigt einen klaren Trend: Künstliche Intelligenz verlagert sich von der reinen Aufnahmehilfe hin zur intelligenten Nachbearbeitung. My FanCam ist ein Paradebeispiel für diesen Wandel. Statt in Echtzeit zu optimieren, verschiebt Samsung den Rechenschritt in die Postproduktion und gibt dem Nutzer damit maximale Kontrolle über das Endprodukt. Die Strategie ist klug, denn sie erfordert weniger Disziplin beim Filmen und belohnt den kreativen Schnitt. Für alle, die regelmäßig Videos von Gruppenaktivitäten erstellen, ist dieses Werkzeug ein echter Gamechanger – vorausgesetzt, man beherzigt die einfache Regel, das Bild anfangs weit genug zu fassen. Ob Standard-Flaggschiffe wie das Galaxy S25 diese Funktion ebenfalls erhalten werden, bleibt abzuwarten, aber die Technologie ist längst reif für den Massenmarkt.