Die Radeon RX 9070 GRE, bislang ein Exklusivmodell für den chinesischen Markt, wird am 1. Juni global eingeführt. AMD setzt den Preis auf 549 US-Dollar fest – exakt jene Summe, die auch die RX 9070 zum Start kostete. Mit nur 12 GB Speicher und einer schmaleren Anbindung tritt die Karte nun gegen Nvidias RTX 5070 an, während das Schwestermodell preislich nach oben gerückt ist. Der Vorabend der Computex 2026 könnte zum Spielfeld einer neuen Preisstrategie werden.
Was bedeutet der Preis von 549 Dollar für die Radeon RX 9070 GRE?
Die Radeon RX 9070 GRE kommt am 1. Juni zu einem Preis von 549 Dollar in den weltweiten Handel. Diese Summe entspricht dem ursprünglichen Startpreis der RX 9070 im März 2025. Allerdings hat sich die Positionierung des älteren Modells seither verschoben. In aktuellen Vergleichsgrafiken von AMD wird die RX 9070 mit „ab 619 Dollar“ geführt, und auch auf Handelsplattformen wie PCPartPicker liegt der reale Verkaufspreis meist über 599 Dollar. Ob AMD die unverbindliche Preisempfehlung angehoben hat oder lediglich die Knappheit den Preis treibt, bleibt offen. Der Effekt jedoch ist klar: Die RX 9070 GRE übernimmt faktisch die 549-Dollar-Position, während die RX 9070 nach oben entweicht. Aus Sicht des Käufers bedeutet dies: Das Angebot an RDNA-4-Grafikkarten für 549 Dollar hat sich inhaltlich verändert.
Technische Einordnung: Wo steht die RX 9070 GRE im Vergleich?
Die RX 9070 GRE basiert auf dem Navi-48-XL-Chip, einer abgespeckten Version des Dies, der auch in der RX 9070 und RX 9070 XT zum Einsatz kommt. Mit 48 Compute Units (3.072 Streamprozessoren), 12 GB GDDR6-Speicher und einem 192-Bit-Interface erreicht sie eine Speicherbandbreite von 432 GB/s. Die Taktrate liegt bei bis zu 2.790 MHz, die Leistungsaufnahme wird mit 220 Watt angegeben. Ein Referenzdesign gibt es nicht. Stattdessen bringen ASUS, Sapphire und XFX eigene Custom-Modelle auf den Markt.
Die Leistungseinschätzung fällt differenziert aus. AMD selbst gibt an, dass die Karte bei 1440p und Ultra-Einstellungen im Schnitt 22 Prozent schneller sei als eine RTX 5060 Ti mit 16 GB – getestet in über 40 Titeln mit einem Ryzen 7 9800X3D. Gegenüber der RTX 5070 soll die GRE zwei Prozent vorne liegen und vier Prozent mehr Leistung pro Euro bieten. Unabhängige Tests aus China, die im Mai 2025 veröffentlicht wurden, zeichnen ein etwas anderes Bild: Zwar bestätigen sie einen Vorsprung von rund 28 Prozent gegenüber der RTX 5060 Ti, jedoch liege die GRE im Rasterizing rund acht Prozent hinter der RTX 5070. Bei Raytracing sei das Verhältnis ausgeglichen. AMDs Angabe eines Zweiprozentvorsprungs konnte demnach nicht reproduziert werden. Dennoch steht fest: Die RX 9070 GRE ist klar schneller als die RTX 5060 Ti und kommt der RTX 5070 sehr nahe. Die Tests sollen ab dem 1. Juni vorliegen.
Welche Rolle spielt der japanische Markt für die RX 9070 GRE?
Ob Japan zum Kreis der Startländer gehört, ist offiziell nicht bestätigt. Der Leaker momomo_us hat jedoch auf einen japanischen Verkauf hingedeutet. Eine offizielle Ankündigung im Rahmen der Computex 2026, die am 2. Juni beginnt, gilt als wahrscheinlich. Sollte die Karte in Japan erscheinen, trifft sie auf ein verändertes Preisgefüge: Die RX 9070 XT ist auf rund 87.800 Yen gefallen, die RX 9060 XT mit 16 GB liegt bei 52.800 Yen. Die GeForce RTX 5070 hingegen kostet weiterhin um die 100.000 Yen. Umgerechnet ergibt der US-Preis von 549 Dollar bei einem Kurs von rund 159 Yen etwa 87.000 Yen. Unter Berücksichtigung von Handelsmargen und Wechselkursen wird ein japanischer Preis zwischen 70.000 und 80.000 Yen erwartet. Damit würde die GRE preislich zwischen RX 9060 XT und RX 9070 XT liegen – und mindestens 20.000 Yen unter der RTX 5070, bei vergleichbarer Leistung.
Die strategische Bedeutung von „Golden Rabbit Edition“
Die Bezeichnung GRE steht für „Golden Rabbit Edition“ und bezeichnet bei AMD preisgünstigere SKUs, die ursprünglich für China entwickelt wurden. Die RX 7900 GRE erschien zunächst als China-Exklusivmodell und kam rund sechs Monate später weltweit in den Handel. Die RX 7650 GRE hingegen blieb dem chinesischen Markt vorbehalten. Die RX 9070 GRE folgt nun knapp ein Jahr nach ihrer Markteinführung in China im Mai 2025. Dieses Tempo spiegelt die Dynamik des aktuellen GPU-Marktes wider. Nvidias RTX 5070 ist weiterhin knapp und preislich über der UVP. AMD kann folglich mit einer Karte, die auf dem Papier ähnliche Rohleistung bietet, zu einem wettbewerbsfähigen Preis antreten, ohne selbst in einen offenen Preiskampf eintreten zu müssen. Die RX 9070 GRE ist somit das Ergebnis einer Preisstrategie, die gezielt die Versorgungslücke des Konkurrenten adressiert.
Hinzu kommt ein allgemeiner Preisverfall innerhalb der RX-9000-Serie. Die RX 9070 XT gab vom Startpreis von rund 100.000 Yen auf etwa 88.000 Yen nach, die RX 9060 XT fiel von 78.000 auf 53.000 Yen. Ursachen sind nachlassende Ersatzbeschaffung nach verbesserter Verfügbarkeit von Nvidia-Karten sowie eine zurückhaltende Käuferstimmung nach monatelang hohen Preisen. In diesem Umfeld verdichtet die RX 9070 GRE das Angebot im Mittelklassesegment und verstärkt den Preisdruck auf die Konkurrenz.
Was bedeutet die Speicherbestückung von 12 GB in der Praxis?
Die Beschränkung auf 12 GB VRAM ist der zentrale Kompromiss der RX 9070 GRE. Für 1440p-Auflösungen und aktuelle Spiele ist dieser Speicher in den meisten Fällen ausreichend. Bei 4K-Auflösung oder in Titeln mit vielen Texturmods kann die Grenze jedoch spürbar werden. Käufer, die zwischen der GRE und einer RX 9070 mit 16 GB oder einer RTX 5070 mit ebenfalls 12 GB abwägen, sollten daher die VRAM-Auslastung in ihren bevorzugten Spielen prüfen. Erste unabhängige Tests werden hier Klarheit schaffen. Die Markteinführung am 1. Juni verspricht eine zeitnahe Einordnung.