Black Tabby Games veröffentlicht jetzt Spiele wie Scarlet Hollow.

Nach den überwältigenden Erfolgen mit den preisgekrönten Narrative-Hits Scarlet Hollow und Slay the Princess betritt das Independent-Studio Black Tabby Games nun eine neue Bühne: die des Publishers. Das von Abby Howard und Tony Howard-Arias geführte Team verkündete die Gründung von Black Tabby Publishing, einem Label, das sich explizit der Förderung experimentierfreudiger Indie-Entwickler verschrieben hat. Als Erstveröffentlichung unter diesem Dach fungiert Prove You’re Human, ein ambitioniertes FMV-Projekt des Studios Sunset Visitor, bekannt für 1000xResist. Dieser Schritt markiert eine strategische Neuausrichtung und unterstreicht das Selbstverständnis eines erfolgreichen Entwicklerstudios, das seine Ressourcen nutzt, um die kreative Landschaft von innen heraus zu stärken und faire, transparente Rahmenbedingungen zu schaffen.

Vom Entwicklungs- zum Publishing-Erfolg: Die Motivation hinter Black Tabby Publishing

Der Übergang von der reinen Spieleentwicklung hin zum Publishing-Geschäft ist für Black Tabby Games kein spontaner Schritt, sondern eine direkte Konsequenz des eigenen finanziellen Erfolgs. Tony Howard-Arias erläutert, dass das Studio nicht nur über ausreichend Budget verfügt, um die hochgelobte Episodenreihe Scarlet Hollow abzuschließen, sondern bereits die Mittel für ein drittes, noch ehrgeizigeres Eigenprojekt zurückgelegt hat. Angesichts der anhaltenden Einnahmen aus den bestehenden Titeln stellten sich die Gründer die Frage, wie sie diesen Überschuss sinnvoll reinvestieren könnten. Die Antwort war, das erwirtschaftete Kapital weiterzugeben und anderen kreativen Köpfen die oft steinigen Wege der Projektfinanzierung zu ebnen. „Uns geht es gut genug, dass wir unsere eigenen Spiele entwickeln können, und nun wollen wir in der Lage sein, anderen Menschen zu helfen“, bringt Abby Howard die Philosophie auf den Punkt. Diese Haltung spiegelt einen wachsenden Trend innerhalb der Indie-Community wider, bei dem etablierte Akteure ihre Position nutzen, um das Ökosystem nachhaltig zu stabilisieren.

Prove You’re Human: Ein FMV-Experiment als Initialzündung

Das erste Projekt, das von der neu gegründeten Publishing-Sparte vollständig finanziert wird, ist Prove You’re Human von Sunset Visitor. Die Wahl fiel bewusst auf ein Studio, dessen kreativer Leiter Remy Siu in zahlreichen Pitch-Meetings die Hürden des traditionellen Publishing-Umfelds erfahren hatte. Laut Howard-Arias war die aktuelle Verlagsszene für die spezifische Vision, die Siu verfolgte, einfach nicht geeignet. Das Spiel nutzt Full-Motion Video (FMV) als zentrales Stilmittel, was bedeutet, dass ein Großteil des Contents mit Schauspielern an realen Drehorten gefilmt werden muss. Diese Produktionsmethode bringt einzigartige, schwer kalkulierbare logistische Herausforderungen mit sich, die mit starren Entwicklungsplänen großer Publisher oft kollidieren. Für Siu war die Unterstützung durch Black Tabby essentiell, da sie ihm die notwendige Planungssicherheit gab, um kritische Zeitfenster, wie das besondere „Sommerlicht“ in Vancouver für Außenaufnahmen im Sommer 2025, nutzen zu können. Ein verpasster Zeitpunkt hätte das Projekt um ein ganzes Jahr verzögern können.

Die Herausforderungen des traditionellen Pitch-Prozesses

Remy Siu schilderte die Probleme, mit denen viele unabhängige Entwickler bei der Suche nach Finanzierung konfrontiert sind. Oft erhalten sie von Verlagen kein klares „Nein“, sondern ziehende, unverbindliche Antworten, die in der Schwebe gehalten werden. Während diese Verlage ihre Optionen offenhalten, stehen Studios wie Sunset Visitor jedoch unter Druck: Gehälter müssen gezahlt und Mitarbeiter beschäftigt werden. Diese Unsicherheit kann innovative, aber risikobehaftete Projekte im Keim ersticken. Genau an dieser Stelle setzt Black Tabby Publishing an. Die Entscheidung, Sius Projekt allein auf Basis eines „Paper Pitches“ – also eines Konzeptpapiers ohne aufwändige Demos – zu finanzieren, ist eine bewusste Abkehr von diesen etablierten, oft entmutigenden Praktiken und signalisiert ein außerordentliches Vertrauen in die kreative Vision des Entwicklers.

Ein fairer Deal: Transparenz und Eigentumsrechte im Fokus

Anders als Initiativen wie der Outersloth Fund von Innersloth, der primär reine Entwicklungsfinanzierung bietet, versteht sich Black Tabby Publishing als vollwertiger Publisher mit einem ganzheitlichen Ansatz. Das Kernstück der Philosophie sind faire Vertragsbedingungen, die Transparenz und den langfristigen Erfolg des Partnerstudios priorisieren. Howard-Arias legte die konkreten Konditionen des Deals mit Sunset Visitor offen: Es handelt sich um eine einfache Revenue-Share-Vereinbarung mit Rückerstattung (Recoup) der Vorabinvestition. Vor dem Break-Even-Point erhält Black Tabby 70 Prozent der Einnahmen, nach erfolgter Kostendeckung nur noch 30 Prozent. Explizit ausgeschlossen sind komplizierte Klauseln wie verzinsliche Rückzahlungen oder doppelte Recoup-Perioden. Der Vertrag läuft über einen Zeitraum von drei Jahren, nach dessen Ablauf alle Rechte und zukünftigen Einnahmen vollständig an Sunset Visitor zurückfallen. Dieses Modell stellt sicher, dass die Entwickler die volle Kontrolle über ihr geistiges Eigentum behalten und nach der Partnerschaft uneingeschränkt über ihre IP verfügen können.

Schlanke Struktur ermöglicht kreative Freiheit

Die Möglichkeit, derart großzügige Konditionen anzubieten, führt Howard-Arias auf die schlanke Betriebsstruktur von Black Tabby Games zurück. Das Studio arbeitet mit einem kleinen Team und niedrigen Fixkosten (Low Overhead). Diese finanzielle Effizienz schafft einen entscheidenden Spielraum: „Wir sind nicht in einer Position, wo uns ein nicht erfolgsgarantiertes Spiel in Gefahr bringt“, so Howard-Arias. „Wir müssen nicht jedes Spiel, das wir unterzeichnen, zu einem Riesenhit machen.“ Diese Einstellung befreit den Publishing-Ansatz vom üblichen kommerziellen Druck und erlaubt es, in experimentelle und künstlerisch wertvolle Projekte zu investieren, die bei traditionellen Publishern vielleicht keine Chance hätten. Das langfristige Ziel ist idealistisch, aber klar formuliert: Abby Howard wünscht sich, dass Black Tabby ein Studio idealerweise nur „einmal“ unterstützen muss, damit dieses danach vollständig eigenständig und finanziell unabhängig weitermachen kann.

Die Vision: Nachhaltige Unabhängigkeit für Entwickler schaffen

Die Ambitionen von Black Tabby Publishing gehen über die reine Projektfinanzierung deutlich hinaus. Tony Howard-Arias formulierte es sogar noch drastischer als seine Co-Gründerin: Man wolle sicherstellen, dass Sunset Visitor nach dieser Zusammenarbeit „niemals wieder jemanden um Geld bitten muss“. Das ultimative Ziel ist es, Entwicklern durch eine erfolgreiche Veröffentlichung und faire Einnahmeanteile eine solide finanzielle Grundlage zu verschaffen, von der aus sie ihre zukünftigen Projekte vollständig selbst finanzieren können. Diese Herangehensweise dekonstruiert das klassische Machtgefälle zwischen Publisher und Developer. Statt Abhängigkeiten zu schaffen, soll die Partnerschaft empowern und zur nachhaltigen Stärkung des unabhängigen Entwicklungssektors beitragen. Black Tabby positioniert sich damit nicht als Gatekeeper, sondern als Katalysator und Partner auf Augenhöhe.

Mit der Gründung von Black Tabby Publishing und der Unterstützung von Prove You’re Human setzen Abby Howard und Tony Howard-Arias ein starkes Signal in der Independent-Szene. Sie demonstrieren, dass kommerzieller Erfolg nicht zwangsläufig in eine korporative Expansion münden muss, sondern als Hebel genutzt werden kann, um die kreativen Spielräume für andere zu vergrößern. Indem sie auf schlanke Strukturen, transparente Verträge und ein tiefes Vertrauen in die künstlerische Vision setzen, schaffen sie ein alternatives Modell, das die oft kargen Bedingungen des Indie-Publishings herausfordert. Ihre Initiative beweist, dass die Stärke der Community wesentlich aus der Bereitschaft erwächst, den eigenen Erfolg zu teilen und die nächste Generation von Storyteller*innen und Innovator*innen nicht nur zu entdecken, sondern aktiv zu befähigen.

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