Die Steam-Charts der kommenden Woche sind prall gefüllt mit einer erstaunlichen Vielfalt an Spielen, von melancholischen Narrative Adventures über komplexe Management-Simulationen bis hin zu schnellen Shooter-Erlebnissen. In dieser dichten Woche sticht ein Titel besonders hervor: Capcoms lang erwarteter Sci-Fi-Shooter PRAGMATA, der am Freitag in die Early Access startet und damit direkt mit anderen hochkarätigen Wishlist-Titeln wie Replaced und Moves Of The Diamond Hand konkurriert. Während sich der Editor Edwin vor der anstrengenden Woche in den Urlaub verabschiedet hat, werfen wir einen detaillierten Blick auf das Line-up und analysieren, ob Pragmata das Potenzial hat, das Rennen zu machen.
Montag, 13. April: RPG-Elemente und fröhliches Überleben
Die Woche beginnt mit starken Indie-Impulsen. Gunboat God erinnert mit seinem Side-Scrolling-Gameplay und der kontrastreichen Farbpalette stark an Klassiker wie Luftrausers, verspricht aber durch tiefgründigere RPG-Systeme mehr mechanische Tiefe. Für Fans des Survival-Genres bietet Oceaneers einen deutlich optimistischeren Ansatz als die düsteren Welten von Don’t Starve. Das Spiel setzt auf kooperatives Überleben auf einer verlassenen Insel, garniert mit einer Portion Charme durch die charakteristischen Hüte der Figuren. Ein Highlight des Tages ist zweifellos Moves Of The Diamond Hand, der als größer angelegter Nachfolger des gefeierten Espionage-RPGs Betrayal At Club Low angekündigt wird und damit hohe Erwartungen weckt.
Dienstag, 14. April: Von Cyberpunk-Dystopien zu kulinarischen Kämpfen
Der zweite Tag bringt einige der meist erwarteten Titel der Woche. An der Spitze steht Replaced, ein seit 2018 in Entwicklung befindlicher 2.5D-Cyberpunk-Platformer, der in einem post-nuklearen Amerika spielt. Die Atmosphäre wurde in Demos bereits gelobt, auch wenn technische Bugs die Erfahrung trüben könnten. Koop-Fans dürfte Windrose ansprechen, ein Survival-Abenteuer, das Spieler in die Rolle von Piraten schlüpfen lässt, die gemeinsam Segel setzen und Meere erkunden. Einen emotionaleren Ton schlägt A Storied Life: Tabitha an, das die Erzählmechanik von Unpacking aufnimmt, um die Geschichte einer Verstorbenen durch das Sortieren ihrer Habseligkeiten zu erzählen – ein Konzept, das bei Vorführungen sowohl auf Interesse als auch auf Befangenheit stieß. Weiterhin erscheinen mit Regions of Ruin: Runegate ein erweitertes Side-Scrolling-RTS und das vielversprechende Dosa Divas, das mit der eingängigen Prämisse „Cook meals, fight corpos“ und einer Mischung aus Mech-Piloten und rundenbasierten Kämpfen überzeugt.
Mittwoch, 15. April: Horden-Schützen und Tank-Simulation
Mittwoch hält zwei spezialisierte Shooter-Erfahrungen bereit. Blood Reaver bedient mit seinem Setting und Gameplay ein klassisches, frühes 2000er-Jahre-Feeling und positioniert sich als dämonischer Horden-Shooter, der an Call of Duty Zombies erinnert. Eine ungewöhnliche Nische füllt Don’t Lose Aggro, das das Tanken aus MMORPG-Raids in ein Singleplayer-Erlebnis übersetzt, bei dem der Spieler ausschließlich dafür verantwortlich ist, die Aufmerksamkeit des Boss-Gegners zu binden, während ein KI-gesteuertes Team den Schaden verursacht.
Donnerstag, 16. April: Ästhetische Vielfalt und göttliches Management
Donnerstag ist der quantitativ stärkste Tag und bietet eine bemerkenswerte Bandbreite an Stilen. Visuell stechen zwei Shooter hervor: Mouse: P.I. For Hire überträgt die Ästhetik des Goldenen Zeitalters amerikanischer Animationen wie bei Cuphead in die First-Person-Perspektive, während ZPF als farbenfroher, bullet-reicher Side-Scroller anspielt, der wie ein lang verlorener Mega-Drive-Titel wirkt. Für eine ruhigere Erfahrung sorgt das Narrative Game Opus Prism Peak. Im Management-Bereich wartet mit Sintopia eine einzigartige Fusion: An der Oberfläche agiert der Spieler in einem gottähnlichen, hands-off-Spiel ähnlich Black & White, während er unterirdisch produktive „Sünden-Reinigungs“-Anlagen mit Dämonen-Bedienung managen muss. Weitere Releases sind der taktische Volleyball-Roguelike Smash It Wild, der Golfplatz-Manager Under Par Golf Architect und das kreative Scriptorium: Master of Manuscripts, das die mittelalterliche Atmosphäre von Pentiment mit der Stempel-Mechanik von Kunstspielen wie Magic Theatre verbindet.
Freitag, 17. April: Das große Finale mit Pragmata
Der Höhepunkt der Woche ist der Freitag, an dem mit PRAGMATA einer der meist beachteten Shooter des Jahres in den Early Access startet. Von Capcom entwickelt, wurde das Spiel von RPS-Redakteur Edwin nach dem Spielen als „ein glatter Denkerinnen-Shooter und ein erfrischend helles, knackiges Stück Mond-Kulisse“ beschrieben, mit robotischen Gegnern, die ihn nostalgisch an Binary Domain erinnerten. Diese Beschreibung deutet auf ein Spiel hin, das nicht nur auf reine Action setzt, sondern auch taktische Elemente und eine starke, atmosphärische Inszenierung in den Vordergrund stellt. Damit tritt Pragmata in einen direkten Wettbewerb mit den anderen Top-Titeln der Woche, insbesondere dem atmosphärischen Replaced und dem cleveren Moves Of The Diamond Hand. Während letztere ihre Stärken in spezifischen Nischen haben, zielt Pragmata mit der Marketingkraft von Capcom und einem zugänglichen, aber dennoch anspruchsvollen Sci-Fi-Setting auf ein breiteres Publikum ab.
Die Veröffentlichungswoche zeigt eindrucksvoll die aktuelle Vitalität des Mittel- und Top-Indie-Bereichs, in dem innovative Konzepte und mutige Ästhetiken gedeihen. In diesem dicht gedrängten Feld muss sich PRAGMATA jedoch nicht nur durch seine glatte Präsentation, sondern vor allem durch substanzielle Gameplay-Tiefe und einen überzeugenden Early-Access-Plan beweisen, um seinen Platz an der Spitze der Wishlists zu behaupten und das Versprechen eines „Denkerinnen-Shooters“ auf dem mondbasierten Schlachtfeld einzulösen.